Nasse Fenster im Winter erklärt: Ursache und Tipps

Leben
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 05.01.2016 13:44, zuletzt aktualisiert am: 13.02.2021 12:34

Nasse Fenster im Winter erklärt: Ursache und Tipps

Besonders einglasige Fenster laufen im Winter schnell an, werden feucht oder gar richtig nass. Ich möchte hier kurz erklären, woran das liegt und was ihr dagegen tun könnt.

Dies ist damit mein dritter Beitrag aus der Reihe rund um die Luftfeuchtigkeit in Räumen. Denn auch das Problem der feuchten Fensterscheiben findet seinen Ursprung im Zusammenspiel aus Luftfeuchtigkeit und Temperatur. In den ersten beiden Beiträgen zu diesem Thema könnt ihr nachlesen, wie ihr feuchte Keller durch richtiges Lüften trocknet und wie man Keller im Winter richtig lüftet. Hier geht es nun um die feuchten Fenster.

Wie ihr in den erwähnten Beiträgen nachlesen könnt, kann - vereinfacht gesagt - kalte Luft viel weniger Wasser halten als warme Luft. Das bedeutet für unsere Fenster, dass die kalte Winterluft draußen nahezu immer trockener (absolute Luftfeuchtigkeit) ist, als die in der Regel wärmere Raumluft. Aber warum setzt sich diese Luftfeuchtigkeit in Form von Wasser nun genau am Fenster ab? Auch diesmal werde ich das Beispiel der kalten Bierflasche an einem warmen Sommertag verwenden. Stellt man das kalte Bier aus dem Kühlschrank heraus, wird die Oberfläche nass. Das Wasser in der umgebenden Luft kondensiert. Warum ist das so? Ein kleiner Exkurs.

Warum kondensiert Wasser an kalten Oberflächen?

Die warme Luft kann nun bekanntlich viel mehr Wasser halten als das kalte Luft kann. Es ist also eine höhere absolute Luftfeuchtigkeit möglich. Nehmen wir an, die warme und feuchte Luft kommt einer kalten Bierflasche nahe. Die Luft in der Nähe der Bierflasche kühlt ab und kann nun weniger Wasser halten. Je näher die Luft der Flasche kommt, desto kälter wird sie und desto weniger Wasser kann sie halten. Direkt an der Bierflasche kann sie am wenigsten Wasser halten, die Luft ist gesättigt (100 % relative Luftfeuchtigkeit) das überschüssige Wasser setzt sich an der Flasche ab.

Genau das gleiche passiert bei kalten Fensterscheiben und warmer Raumtemperatur. Die warme Luft im Raum kann viel Feuchtigkeit tragen, kühlt am kalten Glas ab und Kondenswasser bildet sich am Glas in Form eines leichten Beschlages oder sogar als richtig nasse Tropfen. Das Wetter spielt hier eine weitere Rolle. Wechselt warm und kalt häufig, beschlagen die Fenster stärker, als wenn es durchgängig kalt (unter 0°C) ist. Auch der Luftdruck selbst spielt eine kleine Rolle. Wichtig für uns ist allerdings nur der Wetterwechsel. Schwanken die Temperaturen stark, ist richtiges Lüft wichtiger als bei konstanten Wetterbedingungen.

Wie kann mann nasse Fenster verhindern?

Es gibt hierzu sicherlich viele Tipps, aber das wichtigste ist in diesem Fall, die relative Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren bzw. zu überwachen. Denn es darf eigentlich nur eines nicht passieren: Die Luft am Fenster darf nicht so kühl werden, dass sie eine relative Luftfeuchtigkeit von nahe 100 % erreicht. Oder aber die (absolute) Luftfeuchtigkeit ist so gering, dass ebenfalls auch bei niedrigeren Temperaturen keine 100-prozentige Luftfeuchtigkeit erreicht wird.

Es bleiben also zwei Möglichkeiten das Problem zu lösen, ohne gleich die Fenster zu erneuern: Heizen oder Entfeuchten. Heizen bedeutet jedoch auch höhere Gas-, Öl- oder Stromkosten in Kauf zu nehmen.

Beim Entfeuchten hilft uns hingegen die ohnehin kalte (und damit meist trockene) Außenluft. Mit richtigem Lüften im Winter können wir die Räume trocknen - doch dafür wird es kalt in den Räumen. Das kann man bei Kellerräumen in Kauf nehmen. Hier könnt ihr die Temperatur auf wenige Grad über 0 abkühlen lassen und die Fenster werden kaum mehr anlaufen, da kaum mehr Feuchtigkeit in der Luft liegt.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Fenster mit Dichtmaterial - wie Schaumstoff oder Wolle aus dem Bauhaus - vollständig abzudecken. Dann wird es natürlich finster, aber die Fenster laufen viel weniger an. Ab und zu solltet ihr aber auch bei diesen beiden Methoden abwechselnd ordentlich durchlüften und dazuheizen - z.B. mit einem Heizlüfter. Ich verwende hierzu diesen günstigen AKO Heizlüfter.

Für Wohnräume ist das aber keine Alternative. Auf unserer Loggia ist auch in einem kleinen Nebenraum das WC eingebaut. Es sollte also den ganzen Winter über gemütlich warm bleiben. Daher bleibt diese Variante als einzige Möglichkeit, angelaufene Fenster zu verhindern: häufig lüften, dauerhaft etwas heizen und die Feuchtigkeit vom Fenster mit einer Küchenpapier oder einem Fenstersauger - z.B. dem Kärcher Fensterreiniger - entfernen. Hat man die sommerliche Feuchtigkeit erstmal aus den Wänden bekommen, normalisiert sich die Luftfeuchtigkeit nach einigen Tagen oder Wochen, sodass die Fenster nicht mehr so stark anlaufen oder gar nicht mehr feucht werden.

Langfristig bleibt aber dennoch nur die Fenster richtig zu isolieren und doppelt oder dreifach verglaste Fenster anzuschaffen. Handelt es sich bereits um doppelglasige Fenster, liegt das Problem vielleicht an schlechter Isolierung. Das kann man z.B. mit einer Kerze oder einem Räucherstäbchen testen. Fährt man die Ränder des geschlossen Fensters ab und zieht dann kalte Luft in den Raum, wackelt die Kerzenflamme oder der Rauch des angezündeten Räucherstäbchens ändert die Richtung. Hier gehört dann unbedingt die Dichtung erneuert oder das Fenster präziser eingestellt. Kurzfristig kann auch etwas Glycerin aus der Apotheke harte Gummidichtungen wieder etwas erweichen.

Ernst nehmen solltet ihr feuchte Fenster jedenfalls. Denn wenn die Fenster anlaufen, werden auch die Wände feucht - das sieht man nur nicht. Feuchte Holzfenster bedeuten mit der Zeit modriges Holz. Feuchte Wände bedeuten Schimmel. Mit etwas Aufmerksamkeit ist beides allerdings lange verzögerbar oder sogar ganz vermeidbar.



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